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Mittagsinfo Veranstaltung
 
Mittagsinfo: Donnerstag 2. Sept. 2010

Sie können hier die Unterlagen der Referate der beiden ReferentInnen downloaden.

 

Heinz Girschweiler vom Tages-Anzeiger bringt über 30 Jahre Berufserfahrung als Lokal- und Regionalredaktor mit.

Referat im PDF

 

Alexandra Rosetti, Leiterin Pressestelle UNICEF Schweiz

Referat im PDF

Hüter der Wegweiser

Hier geht's lang: gelbe Wegweiser der Zürcher Wanderwege am Üetliberg

Rund 200 Freiwillige sichern im Kanton Zürich die Qualität der Wanderwege. Zürich freiwillig begleitete zwei Kreisleiter auf den Üetliberg.

Albisgüetli (490 m). Der gelbe Wegweiser nennt das Ziel: Üetliberg. Gehzeit: 1 Std. 5 Min. Höhendifferenz: rund 500 Meter. Von der Tramhaltestelle geht’s in den Wald. Unterwegs verschaffen Richtungspfeile Klarheit, bestätigen gelbe Rhomben an Baumstämmen den rechten Pfad. Abzweigung verpasst, Wegzeichen übersehen, Abkürzung genommen: Schnell kann aus einer gemütlichen Wanderung ernst werden. Auch am Üetliberg. «Richtung Fallätsche könnte man sich verlaufen», bestätigt Edy Ammann. «Dort wird es steil und rutschig.» Immer wieder mal geraten hier Touristen in Not. Nicht so Ammann. Er wohnt am Fuss des Üetlibergs, geht dort seit seiner Kindheit wandern und kennt die Gegend wie seine Westentasche. Mehr noch: Er sorgt dafür, dass Ausflügler am Zürcher Hausberg den Weg finden und auf diesem bleiben. Als einer der 38 Kreisleiter der Zürcher Wanderwege kontrolliert er die signalisierten Wanderwege der Üetliberg-Gemeinden bis Dietikon.

Mehr als 100 Stunden zu Fuss unterwegs

Der 66-Jährige ist freiwillig im Einsatz. Seit zehn Jahren läuft er «seine» Strecke ein- bis zweimal jährlich ab. 36 Wanderwege, rund 300 km. Über 100 Stunden ist er dafür unterwegs. «Das war ein Grund, warum ich mich habe frühpensionieren lassen», sagt Ammann. «Schliesslich konnte ich die Freiwilligenarbeit nicht von meiner Arbeitszeit als Schulverwalter abziehen.»

Vereinskollege Heinrich Ziegler (70) hat im Rentenalter das Ehrenamt für sich entdeckt. Als Tixi-Fahrer ist er regelmässig auf vier Rädern unterwegs, als Kreisleiter der Zürcher Wanderwege noch häufiger zu Fuss. Der ehemalige Postbeamte hat seit vier Jahren die Wege rechts der Limmat bis Limmattal und Furttal unter sich. Seine Lieblingsstrecke, die Wanderung Altberg, macht er jede Woche.

Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt und dem Förster

Ammann und Ziegler sind die Hüter der Signalisation: Ist ein Wegweiser verschoben, wird er auf dem Kontrollgang ausgerichtet. Bei unklarer Wegführung bestimmen die Kreisleiter Standorte für neue Richtungspfeile. Wurde ein Baum gefällt, suchen sie einen neuen für die gelbe Rhombe. Beschädigte Wege melden die Freiwilligen dem Förster oder dem Tiefbauamt. Beim technischen Unterhalt helfen die Ortsmitarbeitenden. Sie ersetzen, montieren und putzen die Wegweiser. Theoretisch hält ein Schild zwanzig Jahre. Praktisch müssen manche Wegweiser, Richtungsanzeiger und Rhomben halbjährlich ausgewechselt oder gereinigt werden, weil sie mutwillig abgebrochen oder versprayt wurden.

Grössere Anerkennung gewünscht

Was motiviert die freiwilligen Helfer zum selbstlosen Dienst für die Zürcher Wanderwege? «Wir wandern gern und tun gleichzeitig etwas für die Gemeinschaft», sagt Edy Ammann. «Manchmal helfen mir Wanderer, wenn ich eine Tafel festschrauben muss oder bieten mir ein Sandwich an.» Ziegler macht ähnliche Erfahrungen: «Unterwegs bekomme ich immer wieder mal ein Dankeschön zu hören.» Trotzdem wünscht sich Ammann eine grössere Anerkennung der Freiwilligenarbeit. Er geht noch einen Schritt weiter: «Freiwillige müssten ihre unbezahlte Arbeitszeit vom steuerbaren Einkommen abziehen dürfen.» Beispielsweise könnten steuerbefreite Non-Profit-Organisationen, wie der Verein Zürcher Wanderwege ZAW, die geleisteten Stunden ausweisen, wie dies bereits bei Geldspenden der Fall ist. Zu klären wäre dann allerdings, wer die anderen Freiwilligenstunden bestätigt, welche ohne Vereinsstruktur geleistet werden. Das Europäische Freiwilligenjahr 2011 wird die Anerkennung des freiwilligen Engagements und die gesellschaftliche Bedeutung der Freiwilligenarbeit zum Thema machen.

Schöne Aussichten

Der nächste Wegweiser bestätigt es schwarz auf gelb: noch 20 Minuten bis zur Station Üetliberg. Ein kurzes Stück der Wanderung verläuft auf der Route 47, dem Zürich-Zugerland-Panoramaweg, auf dem sich auch der Planetenweg befindet. Vorbei an Sonne, Mond und Sternen geht’s weiter um die nächste Kurve. Nach einer Stunde und fünf Minuten ist das Ziel erreicht – ohne dass die Wanderer vom Weg abgekommen sind. Schöne Aussichten auf die Dächer von Zürich und den See haben den Aufstieg belohnt. Die Üetlibergbahn transportiert die zufriedenen Wanderer wieder hinunter in die Stadt. (cf)

Kontakt: Zürcher Wanderwege, ZAWGeschäftsstelle, Etzelstrasse 36, 8712 Stäfa, Telefon 044 771 33 55, info@zuercher-wanderwege.ch, www.zuercher-wanderwege.ch