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- Mittagsinfo Veranstaltung
Mittagsinfo: Donnerstag 2. Sept. 2010
Sie können hier die Unterlagen der Referate der beiden ReferentInnen downloaden.
Heinz Girschweiler vom Tages-Anzeiger bringt über 30 Jahre Berufserfahrung als Lokal- und Regionalredaktor mit.
Alexandra Rosetti, Leiterin Pressestelle UNICEF Schweiz
Mit Zeit und Geduld: Einfach nur da sein
Ein Lächeln huscht über das Gesicht des alten Mannes. Herr Furrer** ist eine gepflegte Erscheinung und arbeitete früher als Ingenieur. Jetzt starren seine blauen Augen hilflos in eine Richtung, seine Beweglichkeit ist eingeschränkt und sein Gedächtnis lässt ihn immer häufiger im Stich. «Guten Abend, ich bin Hugo Trost, freiwilliger Helfer. Wollen wir einen kleinen Spaziergang machen?»
Der alte Mann versucht zu reagieren. Von den Pflegenden weiss Hugo Trost, dass er gerne draussen in der Natur ist. Am Abend zuvor war Herr Furrer sehr unruhig gewesen, konnte keinen Schlaf finden. Deshalb haben die Pflegenden einen der freiwilligen Mitarbeiter angefordert, die mehr Zeit haben, auf einen Patienten einzugehen. Hugo Trost zwinkert Herrn Furrer aufmunternd zu, nimmt seinen Arm und führt ihn hinaus in den Flur. Unterstützt von einer Gehhilfe, bewegen sich die beiden, nachdem sie sich einige Minuten schweigend kennengelernt haben, Richtung Eingangstüre.«Dann kehren wir um» Mitten in der elektrischen Doppeltür bleibt Herr Furrer stehen. Der freiwillige Mitarbeiter ist unsicher. Will er nicht weitergehen, oder macht sein Körper nicht mit? Eine Weile verharren sie reglos. Die elektrische Tür brummt immer wieder, beginnt sich zu schliessen und öffnet sich wieder, weil die beiden Personen in der Lichtschranke stehen. «Dann kehren wir um», entscheidet Trost. Und er wiederholt: «Ich bin Hugo Trost, freiwilliger Helfer. Es ist Montagabend, neun Uhr.» Das helfe dem Patienten, sich zu orientieren, sagt Trost. Im Umgang mit dementen Patienten hat er Erfahrung. Er ist einer von 15 Freiwilligen auf Abruf, die für die Stiftung tätig sind. Zu seinen Einsätzen gehört die Krisen- und Demenzbegleitung. Wenn ihn die Leiterin der Freiwilligenarbeit anruft und für einen Einsatz anfragt, weiss er nie, was ihn erwartet. Er muss sich jedes Mal auf einen neuen Menschen und eine neue Situation einstellen. Dabei hat er vor allem eines zu bieten: Zeit.
Einfühlungsvermögen und Erfahrung
Zuvor war Hugo Trost während 30 Jahren als Suchtberater bei der Zürcher Fachstelle für Alkoholkranke tätig. Nach seiner Pensionierung im Jahr 2003 machte er ein Jahr Pause, dann verschrieb er sich der Freiwilligenarbeit des Diakoniewerks. «Gerade die Arbeit mit Demenzkranken braucht sehr viel Einfühlungsvermögen», sagt er. Nun versucht Hugo Trost vorsichtig, mit Herrn Furrer umzukehren, zurück ins Gebäude:«Drehen Sie Ihren linken Fuss ganz langsam», sagt er geduldig, versucht, sich einzufühlen in die Unbeholfenheit des alten Mannes. Immer wieder führt er Herrn Furrers Hand behutsam zum Griff der Gehhilfe. Es vergehen endlose Minuten, bis es dem Patienten gelingt, mit Trosts Hilfe die Richtung zu ändern. Hinter ihnen schliesst sich die automatische Türe mit einem leisen Brummen.
Eine unbezahlbare Unterstützung für das Pflegepersonal
Jetzt wird es für Herrn Furrer langsam Zeit, schlafen zu gehen. Die Pflegenden bitten Trost, noch etwas zu bleiben. Sie hoffen, dass seine Anwesenheit dem Patienten Geborgenheit vermittelt und dazu beiträgt, dass er zur Ruhe kommt. Doch Herr Furrer versucht immer wieder aufzustehen. Eine schwierige Situation, denn ein Gespräch ist nur beschränkt möglich. Nachdem sich der betagte Mann etwas beruhigt hat, zieht sich Hugo Trost in eine Ecke des Zimmers zurück. Hier zeigt sich, worin der wichtigste Teil seiner Arbeit als freiwilliger Mitarbeiter besteht: «Einfach nur da sein», sagt Trost. Dafür wird er mit Anerkennung und Dankbarkeit belohnt, nicht nur von den Patienten, sondern auch vom Personal. «Doch der schönste Lohn ist ein Lächeln.»
Für Freiwillige – Grundkurs ist Bedingung
Die Freiwilligen, erklärt Manuela Gasser, Leiterin der Freiwilligenarbeit, trügen entscheidend zum chBetriebsklima und zum Image von Spital- und Pflegeinstitutionen bei. Insgesamt sind rund 130 Freiwillige bei der Stiftung Diakoniewerk engagiert. Ihnen werden jährlich Fortbildungskurse angeboten, die auf sie selbst und ihre Arbeit zugeschnitten sind. Doch bevor Freiwillige ihre Arbeit aufnehmen, durchlaufen sie eine Grundausbildung und werden durch praktisches und begleitetes Lernen in ihre Tätigkeit eingeführt. Anschliessend überzeugt sich Manuela Gasser persönlich, ob sie es verantworten kann, eine neue Mitarbeiterin oder einen neuen Mitarbeiter zu kranken oder sterbenden Menschen zu schicken. «Wir erwarten, dass sie ihre Aufgabe vertrauensvoll wahrnehmen», erklärt Gasser.Dazu gehöre auch, im richtigen Moment das Pflegepersonal einzuschalten.
(Sabine Schritt, freie Journalistin)
**Name von der Redaktion geändert.
Kontakt: Stiftung Diakoniewerk Neumünster – Schweizerische Pflegerinnenschule, Manuela Gasser,Trichtenhauserstrasse 24, 8125 Zollikerberg, Telefon 044 397 31 17, manuela.gasser@diakoniewerk-neumuenster.ch , www.diakoniewerk-neumuenster.ch





